Das Ei des Kolumbus?
- Die irreführenden Werbebehauptungen der Vertreiber von
Tensid-Reinigern zur Ölbeseitigung und ihre ökologischen
Konsequenzen -
In erheblichem Umfange werden die mit der Beseitigung von Ölverschmutzungen
betrauten Fachkreise seit einiger Zeit mit Werbematerialien,
Prospekten und Videos von Herstellern angeblich vollkommen
neuartiger Entölungsprodukte und –technologien auf
Basis sogenannter „umweltfreundlicher Tenside“ beliefert.
Diese sollen angeblich „volle Umweltverträglichkeit“ besitzen,
die „schnelle rückstrandsfreie Beseitigung der Ölschäden
auch auf Gewässern“ garantierten, wobei sie „vollständig
und rückstandsfrei abbaubar“ seien. Es gäbe „kein
Absinken“ des in das Gewässer eingebrachten Öls,
dafür aber eine „vollständige Beseitigung des ökologischen
Gefährdungspotentials“.
Diese angeblichen Wundermittel halten jedoch nicht, was von
den Herstellerfirmen in den Werbeprospekten versprochen wird.
Vielmehr haben nationale und internationale Studien ergeben,
daß die Anwendung dieser sogenannten „umweltfreundlichen“ Tenside
insbesondere auf Gewässern ökologisch unvertretbar
ist. Seriöse Hersteller von Tensidprodukten weisen den
Nutzer daher darauf hin, daß diese lediglich zur Nachreinigung
von Ölspuren auf festen Untergründen verwendet werden
dürfen, nach dem Gebrauch aufgenommen und geordnet entsorgt
werden müssen und insbesondere nicht zum Gebrauch auf
oder in Gewässern geeignet sind.
Nach den unwahren Anpreisungen der Hersteller der angeblich „innovativen
Tensidprodukte“ können die Produkte sowohl im Wasser
als auch auf festem Untergrund aufgebracht werden. Bei auf
der Straße ausgelaufenem Öl könne man das Öl-Tensidgemisch
schlicht in den Straßengraben spülen, wo es von
Mikroorganismen „vollbiologisch“ abgebaut werde.
Bei einem Einsatz auf dem Wasser sei es ausreichend, das Produkt
mikrofein auf den Ölfilm zu sprühen, ein mechanisches
Aufnehmen des Öls sei nicht erforderlich, dieses werde
von Mikroorganismen „vollständig und rückstandslos
abgebaut“.
Würden diese Werbeaussagen der Hersteller zutreffen,
bedeutete dies für die mit der Ölbeseitigung betrauten
Spezialkräfte eine erhebliche Arbeitserleichterung gegenüber
den herkömmlichen Methoden der Ölbeseitigung bei
gleicher oder sogar besserer Umweltverträglichkeit.
Entgegen den vollmundigen Anpreisungen in der Werbung ist
das Wirkprinzip der angeblich innovativen Mittel jedoch ein
altbekanntes. Die Produkte zerlegen das ausgelaufene Öl – wie
bei Tensiden üblich – in kleinste Bestandteile,
wobei jedoch die chemische Substanz unverändert bleibt
.
Dadurch entsteht eine Emulsion, die sich fein im Gewässer
verteilt, in größerem Umfang zu Boden sinkt und
in den sauerstoffarmen Schichten von den vorhandenen Mikroorganismen
nicht oder nur unter einem das ökologische Gleichgewicht
des Gewässers zerstörenden Sauerstoffverbrauch zersetzt
werden kann. Bei einem sichtbaren Ölfilm auf festem Untergrund
ist das Wirkprinzip ebenfalls „aus den Augen, aus dem
Sinn“. Das Öl-Tensidgemisch soll mit Wasser in den
Straßengraben gespült werden. Da ein relevanter
Abbau lediglich in den sauerstoffreichen oberen 5 cm Erdreich
erfolgen kann, führt ein weiteres Absinken des Öl-Tensidgemischs
in tiefergelegene sauerstoffarme Schichten dazu, daß ein
Abbau aufgrund des hohen Sauerstoffverbrauchs der abbauenden
Mikroorganismen nicht oder nur schwer möglich ist. Die
angebotenen „innovativen“ Tensid-Produkte beseitigen
die Verschmutzung somit nur optisch, können jedoch das
Problem im Kern nicht lösen.
Es ist daher festzuhalten, daß der Einsatz derartiger
Mittel nicht zu einer Beseitigung der Verschmutzung, sondern
zu einer chemischen Belastung der Gewässer bzw. des Erdreiches
auf lange Zeit und zu einer über die Ölverschmutzung
hinausgehenden Umweltbelastung führt
Durch die unseriöse Werbung mit der angeblichen Unweltverträglichkeit
und der tatsächlich nicht vorhandenen Eignung zur Beseitigung
von Ölverschmutzungen in Gewässern nutzen die Hersteller
die Unkenntnis der Verbraucher über die Wirkweise von
Tensiden sowie deren Umweltbewußtsein mit nicht unerheblichem
Erfolg für ihre wirtschaftlichen Zwecke aus und nehmen
die daraus resultierenden ökologischen Langzeitfolgen,
welche aus der unzureichenden Wirksamkeit ihrer Produkte resultieren,
billigend in Kauf.
Seit Jahren ist jedoch in Fachkreisen bekannt und unumstritten,
daß Tenside auf dem Wasser nicht eingesetzt werden dürfen.
Ein Einbringen solcher Stoffe in Gewässer durch die mit
der Ölbeseitigung betrauten Kräfte verstößt
gegen das EU-Wasserhaushaltsgesetz und erfüllt unter Umständen
sogar den Straftatbestand der Gewässerverunreinigung (§ 324
StGB). Ein Aufbringen von Tensiden auf Ölverschmutzungen
auf festem Untergrund ist hingegen anerkannterweise zur Nachreinigung
geeignet. Die Reinigungslösungen müssen in jedem
Falle nach dem Gebrauch ordnungsgemäß aufgenommen
und entsorgt werden.
Im Interesse der Umwelt sowie zur Vermeidung strafrechtlicher
Konsequenzen kann den Fachleuten nur angeraten werden, nicht
den unseriösen Werbeaussagen selbsternannter „Wundermittel-Hersteller“ zu
vertrauen, sondern sich weiterhin an die geltenden Vorschriften
und die Empfehlungen des Arbeitskreises des Umweltbundesamtes
sowie seiner Fachgremien LTWS und GMAG, welche unter www.uba.de,
www.ltws.de und www.goec-ev.de im Internet abzurufen sind,
zu halten.
> zurück